GLUTEN

 

Toast

Gluten ist ein Oberbegriff für Klebereiweiße, die in unseren typischen Brotgetreidesorten enthalten sind, wie Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste. Diese Klebereiweiße halten beim Brotbacken den Teig zusammen und machen ihn besonders elastisch und geschmeidig. Außerdem schließen sie die Luftbläschen ein, die bei der Teiggärung entstehen. Auf diese Weise erhalten wir das luftige, aufgebackene Brot, wie wir es heute kennen und lieben.

 

Zöliakie

Für manche Menschen stellt das Gluten allerdings ein ernsthaftes Problem dar: Wenn sie glutenhaltiges Getreide essen, kommt es zu einer schweren, entzündlichen Autoimmunreaktion im Darm. Dabei wird die Darmschleimhaut stark beschädigt und eine normale Verdauung ist nicht mehr möglich. Die Folge sind massive Verdauungsverluste und heftige Magendarmbeschwerden. Diese Krankheit ist bei uns vor allem als Zöliakie und einheimische Sprue bekannt (im Englischen: Celiac Disease).

Zöliakie

Die einzige Therapie besteht in einer lebenslangen glutenfreien Ernährung. Dadurch lassen sich alle Symptome zurückentwickeln und im Ansatz verhindern.

 

Glutensensitivität

Nun gibt es aber auch viele Menschen, die keine Zöliakie entwickeln, aber trotzdem auf glutenhaltiges Getreide mit ähnlichen Beschwerden reagieren. Zu diesen Beschwerden gehören zum Beispiel:

  • Verdauungsprobleme
  • Schmerzen im Magendarmbereich
  • Migräne
  • Konzentrationsschwäche
  • Chronische Erschöpfung
  • Depressionen
  • Blutarmut
  • sowie Taubheitsgefühle in Händen und Füßen

Wenn sich diese Menschen dann glutenfrei ernähren, verschwinden ihre Probleme meist innerhalb kurzer Zeit. In der Medizin hat man sich inzwischen dazu durchgerungen, in diesen Fällen von einer „Glutensensitivität“ zu sprechen. Mit der Glutensensitivität tut man sich schwer, da man lange Zeit keine plausible Erklärung für sie hatte. Doch mittlerweile macht man bei ihrem Verständnis große Fortschritte!

Um dich auf den neusten Stand der Forschung zu bringen, möchte ich dir gerne Professor Alessio Fasano vorstellen.

ProfAF

Professor Fasano gilt als einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet. Und er sagt sogar folgendes:

„Gluten ist für jeden Menschen schädlich! Aber nicht jeder Mensch wird krank.“

Um das besser zu verstehen, müssen wir uns die Vorgänge an der Darmwand genauer anschauen.

 

Gluten, Zonulin und Leaky Gut

Die Darmwand besteht aus Darmzellen, die eng nebeneinander liegen. Zwischen den Darmzellen gibt es Spalten (die sogenannten „Tight Junctions„).

Darmwand Darmzellen

Früher ist man davon ausgegangen, dass diese Spalten fest verschlossen sind, damit keine unerwünschten Stoffe in den Körper eindringen können. Heute weiß man aber, dass sich die Spalten öffnen und schließen können. Dafür ist ein bestimmter Stoff names Zonulin verantwortlich, der gleich noch eine Rolle spielt.

Jetzt betritt aber erst einmal das Klebereiweiß Gluten die Bühne.

Darmwand Gluten

Gluten hat eine entscheidende Eigenschaft: Es kann nicht richtig verdaut werden! Aufgrund seiner besonderen Struktur haben die Verdauungsenzyme große Schwierigkeiten damit, es in freie Aminosäuren aufzuspalten. Stattdessen kann es nur in Eiweißbruchstücke zerlegt werden.

Darmwand Glutenbruchstücke

Diese Eiweißbruchstücke sind zu groß, um von den Darmzellen aufgenommen zu werden. Sie bleiben erst einmal an der Darmwand hängen.

Aus Gründen, die noch nicht ganz aufgeklärt sind, wird dadurch der Botenstoff Zonulin aktiviert. Das Zonulin gibt jetzt das Signal, die Spalten zwischen den Darmzellen zu öffnen.

Darmwand Zonulin

Und nun können die Glutenbruchstücke durch die geöffneten Darmspalten in die Darmwand gelangen. Diese gestörte Darmbarriere nennt man übrigens im Englischen auch einen „Leaky Gut„, also einen „durchlässigen Darm“.

Aber jetzt kommt der entscheidene Punkt: Die unverdauten Glutenbruchstücke werden als fremde Eiweiße erkannt, die in den Körper eindringen, und daher wie eine Gefahr behandelt. Das heißt, das Immunsystem geht zum Angriff über!

Darmwand Immunssystem

Dieser Vorgang spielt sich laut Professor Fasano erst einmal bei jedem Menschen so ab. Daher sagt er auch, dass Gluten für jeden Menschen schädlich ist. Allerdings wird nicht jeder Mensch krank.

Unser Immunsystem ist rund um die Uhr damit beschäftigt, Bakterien, Viren und Fremdstoffe abzuwehren. In der Regel gewinnen wir diesen Kampf und kriegen dann auch nichts davon mit. Nur wenn wir den Kampf verlieren, und es zu einer Infektion kommt, werden wir krank.

Ähnlich sieht es mit dem Gluten aus: Die meisten Menschen gewinnen den Kampf. Bei ihnen wird das Gluten beseitigt, ohne dass sie etwas davon mitkriegen.

Darmwand Immunzellen Abzug

Und dann gibt es Menschen, die den Kampf nicht gewinnen. Das sind diejenigen, die zum Beispiel Zöliakie entwickeln.

Darmwand bei Zöliakie

Hier wird der Darm zu einem Schlachtfeld: Es kommt, wie gesagt, zu einer schweren, entzündlichen Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem auch die eigenen Darmzellen angreift.

Die Darmschleimhaut wird dabei stark beschädigt, wodurch es zu heftigen Beschwerden kommt, die eine normale Verdauung unmöglich machen. Die genetische Veranlagung für diese Reaktion spielt dabei die entscheidende Rolle.

Und schließlich gibt es noch die Menschen, die glutensensitiv sind. Auch sie kriegen das Gluten nicht richtig in den Griff.

Darmwand Glutensensitivität

Aber sie entwickeln keine Zöliakie, weil bei ihnen die entscheidenden Gene, die zu einer Autoimmunreaktion führen, nicht aktiv sind. Trotzdem stört der erhöhte Stress des Immunsystems die normalen Abläufe im Darm und führt zu Beschwerden.

Und diese Beschwerden beschränken sich dann nicht nur auf den Darm und die Verdauung: Die scharfgemachten Immunzellen gehen schließlich auch in den Kreislauf und können überall im Körper für Probleme sorgen.

 

Lassen wir den Experten selber sprechen

Wenn du dir das alles vom Professor selbst erklären lassen möchtest, und ein gutes Englisch verstehst, empfehle ich dir in diesen Vortrag reinzuschauen:

Übrigens hat er auch ein sehr guten praktischen Ratgeber zu dem Thema geschrieben, der auch ins Deutsche übersetzt wurde. Dort wird alles, was ich hier nur kurz beschrieben habe, ausführlich erklärt. Das Buch findest du bei den Lesetipps.

 

Glutenfreie Ernährung für alle?

Welches Fazit soll man nun daraus ziehen? Sollte sich jetzt besser jeder Mensch glutenfrei ernähren? Das kann man mit absoluter Sicherheit noch nicht beantworten. Wir sind ja gerade erst dabei, die Zusammenhänge besser zu begreifen und die gesundheitlichen Risiken einzuschätzen. Nach allem, was wir bis jetzt wissen, kann es auf jeden Fall nicht schaden, Gluten in der Ernährung wenigstens zu reduzieren.

 


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