DIE URSACHEN DER INSULINRESISTENZ

Bei Insulinresistenz reguliert eine Zelle also ihre Insulinempfindlichkeit herunter. Als Folge wird sie nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit weniger Traubenzucker aus dem Blut aufnehmen. Der Blutzuckerspiegel steigt daraufhin sehr hoch an und führt zu einer überhöhten Ausschüttung von Insulin. Der gestörte Insulinspiegel kann unseren Stoffwechsel schließlich auf vielfältige Weise durcheinander bringen und zu ernsthaften Problemen führen.

Die Insulinresistenz ist kein einfaches Konzept und hat viele Ursachen. Manchmal sind nur einzelne Organe betroffen, wie die Muskeln oder die Leber. Manchmal ist die Insulinempfindlichkeit des ganzen Körpers gestört.

Gehen wir jetzt erst einmal die wichtigsten Zusammenhänge durch. Ich erhebe dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit und will nicht zur sehr in komplizierte Details gehen. Ich möchte aber, dass du eine gute Idee davon bekommst, wie Insulinresistenz entstehen kann.

 

Stress

Die erste wichtige Ursache ist Stress. Stresshormone stellen unseren Stoffwechsel auf eine akute Gefahrensituation ein. Sie erhöhen den Blutdruck und treiben den Blutzuckerspiegel nach oben, weil der Traubenzucker unsere schnellste Energiequelle ist. Gleichzeitig lassen sie den Körper weniger empfindlich für Insulin werden. Und das macht sogar eine ganze Menge Sinn!

In einer Kampf- oder Fluchtsituation brauchen wir vor allem zwei Organe, die uns das Leben retten sollen: Nerven und Muskeln. Denn wir müssen jetzt hellwach sein und brauchen unsere ganze Kraft!

Die Nerven und Muskeln werden durch die Insulinresistenz optimal mit Traubenzucker versorgt. Wie das?

Stress

Die Nervenzellen gehören zu den wenigen Zellen im Körper, die nicht auf Insulin angewiesen sind, um Traubenzucker aus dem Blut aufzunehmen. Sie können sich also ständig frei aus dem Blutzucker bedienen.

Die Muskeln nehmen stattdessen nur durch Insulin Traubenzucker aus dem Blut auf. Es gibt aber eine Ausnahme: Wenn Muskeln stark belastet werden, können sie ebenfalls insulinunabhängig Traubenzucker aufnehmen.

Wir befinden uns jetzt also in einer extremen Stresssituation: Die Insulinempfindlichkeit des Körpers ist herabgesetzt. Der Körper nimmt dadurch weniger Traubenzucker auf, bis auf jene Zellen, die nicht auf Insulin angewiesen sind, nämlich die Nerven und die arbeitenden Muskeln.

Man kann sich die Insulinresistenz in diesem Fall wie eine sehr sinnvolle Anpassungsreaktion vorstellen. Sie leitet den Traubenzucker genau dorthin, wo er in einer Stresssituation am meisten gebraucht wird.

Aber hier ist das Problem: Stress ist in unserem hektischen Alltag keine Ausnahmesituation mehr. Viele Menschen stehen heute jeden Tag unter Dauerstress. Auf der einen Seite kann das die Insulinempfindlichkeit des Körpers reduzieren. Und auf der anderen Seite bekommt man bei Stress besonders Lust auf kalorien- und kohlenhydratreiche Lebensmittel…

 

Überernährung

Eine zu hohe Konzentration von freien Traubenzucker im Blut und in den Zellen ist, wie gesagt, sehr schädlich für den Körper. Deshalb wird der meiste Traubenzucker direkt nach dem Essen wieder zu langen Ketten (Glykogen) aufgebaut und in der Leber und in den Muskeln gespeichert. In dieser Form ist der Traubenzucker unproblematisch. Allerdings sind unsere Speichermöglichkeiten für Glykogen sehr begrenzt und betragen gerade mal 300 g bis 500 g. Was würde nun passieren, wenn wir mehr Kohlenhydrate essen, als wir brauchen und speichern können?

Überernährung

In der modernen Ernährung werden gerne große Menge an Kohlenhydraten gegessen, zum Beispiel in Form von Backwaren, Süßigkeiten, Fertigprodukten und Getränken. Sie sind billig, schnell verfügbar und schmecken gut. Man kann sich also sehr leicht mit diesen Dingen überernähren.

Die Glykogenspeicher sind aber irgendwann voll. Trotzdem strömt immer mehr Traubenzucker in das Blut. Der hohe Insulinspiegel fordert die Zellen auf, weiter Traubenzucker aufzunehmen. Doch weil die Speichermöglichkeiten für Traubenzucker nun ausgeschöpft sind, könnte das ziemlich schädlich für die Zellen werden.

Was passiert? Die Zellen regulieren zum Schutz ihre Insulinempfindlichkeit herunter, um keinen Traubenzucker mehr aufzunehmen. Sie werden also insulinresistent.

Volle Glykogenspeicher

 

Übergewicht

Übergewicht ist nicht nur eine Folge der Insulinresistenz, sondern kann diese auch noch auf komplexe Weise verstärken. Kurz und knapp: Eine rasche Gewichtszunahme bedeutet Stress für das Fettgewebe! Es wird zum Beispiel schlechter mit Sauerstoff versorgt und schüttet vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Das erhöht die gesamten Entzündungswerte im Körper, was auch die Insulinresistenz begünstigt.

Bewegungsmangel

Mit Sicherheit wissen wir auch, dass Bewegungsmangel zu einer Insulinresistenz der Muskeln führt.

Dazu ein Beispiel aus der Forschung: Am Copenhagen Muscle Research Centre wurde 2011 eine Untersuchung an zwölf jungen, gesunden und sportlichen Männern durchgeführt. Sie mussten eine Woche lang Tag und Nacht totale Bettruhe einhalten. Ihre Muskeln wurden also völlig ruhig gestellt.

Das Ergebnis: Der gesamte Kohlenhydratstoffwechsel der Muskeln hatte sich erheblich verschlechtert. Ihre Fähigkeit, Traubenzucker zu Energie zu verbrennen und zu Glykogen aufzubauen, war reduziert. Darüber hinaus waren sie weniger empfindlich für Insulin geworden und nahmen auch weniger Traubenzucker aus dem Blut auf.

 

Genetik

Prof. Timothy Noakes ist ein weltweit anerkannter Sportmediziner und lehrt an der Universiät von Kapstadt in Südafrika. Er war selbst sein halbes Leben lang Leistungssportler und hat über 70 Marathonläufe absolviert. So ein Mensch kann doch bestimmt nicht insulinresistent werden, oder? Offensichtlich doch. Mit Anfang fünfzig entwickelte Prof. Noakes einen Typ-2-Diabetes! Sein Problem ist eine genetische Veranlagung für Insulinresistenz, die in seiner Familie sehr hoch ist (viele Typ-2-Diabetiker), und sich dann mit dem Alter immer stärker ausgeprägt hatte. Das hat also nichts mit den Lebensstilfaktoren zu tun, die wir bisher besprochen haben. Manchen Menschen ist die Insulinresistenz einfach in die Gene geschrieben. Im Fall von Prof. Noakes kann man die Insulinresistenz also nicht beseitigen und er wird für den Rest seines Lebens insulinresistent bleiben. Allerdings gelang es ihm, durch eine sehr kohlenhydratarme Ernährung seines Diabetes komplett zu heilen!

Brennpunkt: Fettleber

Kommen wir zum Schluss zur wichtigsten Ursache für Insulinresistenz: Die Fettleber. Wenn in der Leber neues Fett gebildet wird, kann es dort stecken bleiben und die Leber verfetten. Und eine verfettete Leber wird nun zunehmend insulinresistent!

Fettleber

Eine wichtige Aufagbe der Leber ist es, als Zwischenspeicher für Nährstoffe zu dienen. Nach einer Mahlzeit zieht sie den größten Teil der Kohlenhydrate aus dem Verkehr und speichert ihn als Glykogen.

Außerdem ist nur die Leber dazu in der Lage, den gespeicherten Traubenzucker wieder an das Blut abzugeben. Sie spielt also die zentrale Rolle bei der Regulation des Blutzuckerspiegels.

Leber Traubenzucker

Wenn die Leber nun verfettet und insulinresistent wird, ist das besonders problematisch für den Kohlenhydratstoffwechsel. Sie nimmt weniger Traubenzucker auf und speichert auch weniger Glykogen. Der Blutzuckerspiegel kann immer schlechter reguliert werden.

Fettleber Insulinresistenz

Dieses Problem geht uns mittlerweile alle an, denn die Fettleber hat sich still und heimlich zu einer richtigen Volkskrankheit entwickelt!

Zum Beispiel ist in den USA schon jeder Dritte betroffen. Und in Deutschland schätzt man, dass mindestens 70 % aller übergewichtigen Erwachsenen und 90 % aller Typ-2-Diabetiker eine verfettete Leber haben.

Das Problem der Organverfettung tritt aber auch bei schlanken Menschen auf. In diesem Fall spricht man in der Medizin von sogenannten TOFI’s (Thin outside, fat inside).

Aber wie genau entsteht denn nun eigentlich diese Fettleber?

Ursprünglich war die Fettleber eine seltene und typische Erscheinung bei Alkoholikern. Alkohol wird ja bekannterweise zum größten Teil in der Leber abgebaut. Gleichzeitig ist er auch ein sehr energiereicher Stoff (7 kcal/g).

Wenn man viel Alkohol trinkt, fällt also eine ganze Menge Energie lokal in der Leber an. Was die Leber an Energie nicht selbst verbrennen kann, muss sie dann als Fett speichern. Auf diese Weise kann sie auf Dauer verfetten.

Leber Alkohol

Man kann eine Fettleber jedoch auch durch konsequente Überernährung herbeiführen. Wenn die Leber mit einem Überangebot an Traubenzucker fertig werden muss, der schnell und massiv in die Leber strömt, und die Glykogenspeicher bereits randvoll sind, dann muss auch dieser in neues Fett umgewandelt werden.

Leber Überernährung

Aber es sind nicht nur Alkohol und Überernährung, die zum Fettaufbau in der Leber führen. Fällt dir jetzt vielleicht ein bestimmtes, süßes Kohlenhydrat ein, das zufälligerweise nur in der Leber aufgenommen und abgebaut werden kann?


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