DIE INSULINRESISTENZ UND IHRE FOLGEN

 

Warum kommt es zu einem gestört hohen Insulinspiegel? Natürlich kann man mit schnellverdaulichen Kohlenhydraten, wie Zucker und Weißmehl, zuerst seinen Blutzuckerspiegel nach oben treiben, worauf dann eine starke Insulinausschüttung folgt. Aber das ist nicht das eigentliche Problem.

Bei vielen Menschen ist der Insulinspiegel dauerhaft erhöht. Er ist bereits im Nüchternzustand zu hoch und schlägt dann nach jeder kohlenhydratreichen Mahlzeit extrem hoch aus. Die Ursache ist ein Phänomen, das sich Insulinresistenz nennt.

Insulinresistenz: Die Zellen werden weniger empfindlich für Insulin.

Insulin ist ein Botenstoff, der den Zellen sagt, was sie tun sollen. Wenn eine Zelle nun ihre Insulinempfindlichkeit senkt, dann kann das Insulin nicht mehr richtig wirken. Was bedeutet das jetzt für den Stoffwechsel der Kohlenhydrate?

Gehen wir dazu noch einmal den normalen Ablauf durch: Ein gesunder Mensch isst eine kohlenhydratreiche Mahlzeit. Schon bald wird der Traubenzucker im Darm aufgenommen und gelangt in das Blut.

Der Blutzuckerspiegel steigt und daraufhin wird Insulin ausgeschüttet. Die Zellen reagieren auf das Insulin und nehmen den Traubenzucker aus dem Blut auf. Vor allem die Leber zieht den größten Teil des Traubenzuckers aus dem Verkehr und verstaut ihn erst einmal als Glykogen. Später kann sie ihn kontrolliert wieder an das Blut abgeben.

Kohlenhydrat-Stoffwechsel normal

Nachdem sich der Blutzuckerspiegel wieder normalisiert hat, kann auch der Insulinspiegel wieder sinken. Das war der normale Vorgang nach der Verdauung.

Was passiert nun bei Insulinresistenz? Wir essen wieder eine kohlenhydratreiche Mahlzeit. Der Blutzuckerspiegel steigt und daraufhin wird Insulin ausgeschüttet. Aber diesmal passiert erst einmal nichts!

Die Zellen sind insulinresistent und reagieren nicht auf das Hormon. Also nehmen sie auch keinen Traubenzucker aus dem Blut auf. Währendessen strömt aber immer mehr Traubenzucker aus dem Darm in das Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt und steigt und steigt…

Kohlenhydrat-Stoffwechsel insulinresistent

Szenenwechsel: Die Bauchspeicheldrüse ist das Organ, welches das Insulin herstellt. Sie  kontrolliert ständig den Blutzuckerspiegel und schüttet Insulin dann aus, wenn der Blutzuckerspiegel steigt.

Die Bauchspeicheldrüse hat keine Ahnung davon, was mit den insulinresistenten Zellen nicht stimmt. Sie registriert nur, dass der Blutzuckerspiegel rapide ansteigt. Und das ist für sie das Signal mehr Insulin zu produzieren. Wenn es sein muss, auch die zehnfache Menge, die normalerweise benötigt wird, und auch mehr! Hier hätten wir also unseren gestört hohen Insulinspiegel!

Die Insulinresistenz kann jetzt unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei leichter Insulinresistenz reicht die höhere Dosis Insulin aus, um den Traubenzucker letzten Endes doch noch in die Zellen zu zwingen. Doch mit der Zeit klappt das immer weniger gut.

Was passiert nun mit dem Traubenzucker, wenn wir ihn nicht mehr in die Zellen kriegen? Wenn der Blutzuckerspiegel extrem hoch ansteigt, tritt eine Notfalllösung in Kraft: Ab einer bestimmten Blutzuckerschwelle fangen die Nieren damit an, den Traubenzucker aus dem Blut zu filtern und ihn mit dem Urin auszuscheiden.

Der Begriff „Diabetes mellitus“ bedeutet übersetzt so viel wie „honigsüßer Urin“, was genau damit zusammenhängt. Zu den ersten Anzeichen des Diabetes gehört daher auch häufiger Harndrang. Mit dem Diabetes beschäftigen wir uns gleich ausführlicher.

Halten wir soweit fest: Die Folge der Insulinresistenz ist ein hoher Blutzuckerspiegel und eine starke Insulinausschüttung, und zwar jedesmal, wenn man Kohlenhydrate isst.

Hyperglykämie

Es hat bis in die späten 90er Jahre gedauert, bis man dieses unbequeme Problem in der Medizin richtig verstanden und ernst genommen hatte. Inzwischen ist jedem klar, dass wir es mit einer recht komplexen Stoffwechselstörung zu tun haben, die sich massiv in der Bevölkerung ausgebreitet hat.

Tweet Time

Aus den USA wird aktuell gemeldet, dass bereits jeder dritte Erwachsene von Insulinresistenz betroffen ist. Als direkte Folge leiden genauso viele Menschen unter dem sogenannten metabolischen Syndrom. Und hierzulande ist man nicht weit hinterher.

 

Das metabolische Syndrom

Der hohe Insulinspiegel treibt also das metabolische Syndrom voran. Dazu erst einmal die Begriffserklärung: „Metabolismus“ ist nur ein schlaueres Wort für Stoffwechsel. Und bei einem „Syndrom“ hat man es mit mehreren Problemen zu tun, die miteinander zusammenhängen.

Über die exakte Definition des metabolischen Syndroms ist man sich in der Medizin noch uneinig. Im Wesentlichen haben wir es aber mit vier großen Problemen zu tun:

  • Prä-Diabetes und Diabets mellitus Typ 2
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen

 

Diabetes mellitus Typ 2


Bei Insulinresistenz wird der Traubenzucker immer schlechter in den Zellen aufgenommen. Wenn man nun Kohlenhydrate isst, steigt der Blutzuckerspiegel sehr hoch an. Die Bauchspeicheldrüse muss nun ein Vielfaches der normalen Menge an Insulin produzieren, um den Traubenzucker noch halbwegs in die Zellen zu bekommen.

Bauchspeicheldrüse

Diese Überproduktion von Insulin geht bei den betroffenen Menschen erst einmal über viele Jahre lang so weiter. Diese Phase nennt man auch „Prä-Diabetes“, also die Vorstufe des Diabetes.

Irgendwann stellt die Bauchspeicheldrüse die Arbeit ein und stellt gar kein Insulin mehr her! Ab diesem Zeitpunkt spricht man vom vollen Krankheitsbild Diabetes mellitus Typ 2. Jetzt muss man das Insulin als Medikament von außen in den Körper bringen.

Bauchspeicheldrüse Diabetes

Warum hört die Bauchspeicheldrüse damit auf Insulin zu produzieren? Nach der gängigen Meinung ist die Bauchspeicheldrüse nach Jahren der Überproduktion einfach ausgebrannt. Man geht also von einem teilweisen Organversagen aus, das sich nicht mehr heilen lässt.

Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Verfettung der Bauchspeicheldrüse das Problem war. Nachdem man die Organverfettung durch eine Diät behoben hatte, nahm auch die Bauchspeicheldrüse wieder ihre Arbeit auf!

Ein überhöhter Insulinspiegel führt eben nicht nur zu einer Zunahme des Fettgewebes, das sich unter der Haut befindet, sondern auch jenes Fettgewebes, dass unsere inneren Organe ummantelt (viszerales Fettgewebe).

Beim Diabetes hat man nun die meiste Zeit mit einem hohen Blutzuckerspiegel zu kämpfen. Wenn man diesen nicht in den Griff bekommt, kann es mit der Zeit zu sehr bösen Spätfolgen kommen. Die hohe Blutzuckerkonzentration schädigt die feinen Blutgefäße und führt zu Durchblutungsstörungen. In der Folge kann es zu ernsthaften Schäden zum Beispiel an den Nieren, Augen, Füssen und Nerven kommen.

 

Übergewicht


Du hast ja schon eine Idee davon bekommen, wie sich ein langfristig überhöhter Insulinspiegel auf das Fettgewebe auswirken kann. Das Insulin fordert die Fettzellen permanent dazu auf, Fett zu speichern.

Auf Dauer kann sich ein krankhaftes Übergewicht entwickeln, das man in der Fachsprache auch Adipositas nennt. Das Übergewicht kann übrigens die Insulinresistenz im Körper weiter verstärken.

Das Fettgewebe am Bauch ist besonders stoffwechselaktiv. Wenn man hier rasch Fett aufbaut, ist das ein sehr wichtiges Alarmsignal. Das Bauchfett nimmt zum Beispiel Einfluss auf die Blutfettwerte, die sich verschlechtern können. Dadurch steigt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen.

Adipositas

 

Bluthochdruck

Der hohe Insulinspiegel wirkt sich auch ungünstig auf die Nieren aus: Sie neigen dazu, weniger Natrium auszuscheiden. Dadurch verbleibt mehr Natrium im Blut, wodurch der Blutdruck steigt.

Viele Menschen denken bei Bluthochdruck vor allem an einen zu hohen Verzehr von Salz (Natrium-Chlorid). Das ist aber tatsächlich nur bei einigen salzsensitiven Menschen der Fall.

In der Praxis beobachtet man immer wieder, wie sich bei vielen Menschen der Blutdruck enorm verbessert, sobald sie ihren Blutzuckerspiegel in den Griff bekommen haben.

 

Fettstoffwechselstörungen


Der hohe Insulinspiegel wirkt sich weiterhin sehr negativ auf unseren Triglyceridspiegel und die Cholesterintransporter aus. Das werde ich dir aber noch in der Artikelreihe zu den Fetten ganz ausführlich erklären. Daher erst einmal nur die Kurzversion:

Triglyceridspiegel: Gehalt an Fettsäuren im Blut.

Dazu müssen wir einen genaueren Blick auf die Leber werfen. Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan.

Leber

Bei einem Überangebot von Traubenzucker baut sie diesen verstärkt in neue Fettsäuren um. Vor allem ein hoher Insulinspiegel treibt sie dabei an.

Die Fettsäuren müssen anschließend aus der Leber herausgeschafft werden. Dazu werden sie im Dreierpack als sogenannte Triglyceride gespeichert und in das Blut abgegeben.

Passiert dass nun die ganze Zeit, weil der gesamte Kohlenhydrat- und Insulinstoffwechsel gestört ist, fallen also auch vermehrt Triglyceride in der Leber an. Bei einer Blutuntersuchung macht sich das dann in Form eines hohen Triglyceridspiegels bemerkbar.

Leber und Blutfette

Ein hoher Triglyceridspiegel gilt heute als ein typisches Kennzeichen der Insulinresistenz und des metabolischen Syndroms. Außerdem hat er sich als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen etabliert. Und das liegt hieran:

Ein hoher Triglyceridspiegel verschlechtert die Qualität unserer Cholesterintransporter, vor allem der sogenannten LDL-Partikel.

Ein LDL-Partikel transportiert Cholesterin im Blut zu den Zellen. Im Normalfall hat es eine große Form und schwebt im Blut (Typ A). Ein hoher Triglyceridspiegel kann die Zusammensetzung des LDL jedoch empfindlich stören.

Jetzt entsteht vermehrt ein anderer Typ von LDL (Typ B). Dieser ist deutlich kleiner und senkt sich im Blut ab. Jetzt steigt das Risiko, dass das LDL in Gefäßwände eindringt und dort stecken bleibt.

Auf diese Weise entstehen Cholesterinablagerungen in den Gefäßwänden. Genau ab diesem Zeitpunkt beginnt die Gefäßkrankheit Arteriosklerose, die irgendwann zu einem Herzinfarkt führen kann.

LDL bei Insulinresistenz

Die Arteriosklerose ist ein sehr komplexer Prozess, bei dem noch viele Fragen offen sind. Fest steht aber, dass man bei Insulinresistenz das heute typische Hochrisikoprofil für Herzkreislauferkrankungen entwickelt:

  • Einen hohen Triglyceridspiegel
  • Einen niedrigen HDL-Cholesterinspiegel
  • Vermehrt kleines, dichtes Typ-B-LDL

 

Die Insulinresistenz als Grundstein der Zivilisationskrankheiten

Die Insulinresistenz wird inzwischen von vielen Experten als der Grundstein der Zivilisationskrankheiten angesehen. Die Insulinresistenz führt, wie gesagt, auf Dauer zum metabolischen Syndrom.

Beim metabolischen Syndrom entgleist der Stoffwechsel an vielen Stellen. Wir haben einen gestörten Kohlenhydrat- und Insulinstoffwechsel, der irgendwann in den Typ-2-Diabetes führen kann. Gleichzeitig werden Übergewicht und Bluthochdruck vorangetrieben. In Verbindung mit den Fettstoffwechselstörungen nimmt das Risiko für Gefäßkrankheiten (Arteriosklerose) und Herzinfarkt dramatisch zu.

Pathogenese

Auch Krebserkrankungen treten bei einem gestörten Insulin- und Blutzuckerspiegel früher und häufiger auf. Das beobachtet man leider bei vielen Diabetespatienten.

Außerdem kommt es bei vielen Menschen zu Problemen mit der Harnsäure, was irgendwann zum Gichtanfall führen kann.

Darüber hinaus sind viele Frauen von dem sogenannten polyzystischen Ovar-Syndrom (PCOS) betroffen. Auch hier wird die Symptomatik insbesondere durch einen überhöhten Insulinspiegel vorangetrieben.

Und schließlich werden auch Demenzerkrankungen wie Alzheimer, zunehmend mit Insulinresistenz in Verbindung gebracht.

Deshalb ist es jetzt höchste Zeit herauszufinden, was denn eigentlich die Ursachen der Insulinresistenz selber sind!


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